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Effi Briest

2016
Landestheater Schwaben, Studio
A: Theodor Fontane / R: Pia Richter / B+K: Julia Nussbaumer/ 
D: Anne Verena Freybott
Mit
Elisabeth Hütter,Jens Schnarre, Fridtjof Stolzenwald, André Stuchlik
Statistin: Olivia Stolzenwald
Theodor Fontanes Effi Briest, lebhaft und charismatisch, ist hin- und hergerissen zwischen ihren eigenen Sehnsüchten und Vorstellungen und einer Gesellschaft, die für ihre Mitglieder strikte Lebenspläne und Verhaltensregeln vorsieht.
„Nicht so wild, Effi, nicht so leidenschaftlich“, tadelt die Mutter die lebenslustige Tochter, die ihre Schaukel über alles liebt und vielleicht sogar Kunstreiterin werden möchte. Stattdessen aber erfüllt Effi den Lebenstraum ihrer Mutter und heiratet deren Jugendliebe Baron von Instetten, der doppelt so alt ist wie Effi. Instetten ist ein Pedant, ein Langweiler, der seine junge Frau mit Spukgeschichten unter der Fuchtel hält. Hatte Effi sich das Leben als Ehefrau glamourös und aufregend erträumt, wird sie nun schrecklich enttäuscht: Im muffigen Landhaus in Kessin vereinsamt die junge Frau zunehmend und fängt schließlich eine Affäre mit dem attraktiven Major Crampas an. Auch das macht nicht wirklich glücklich, und Effi beginnt sich desillusioniert in das „falsche Leben“ einer oberflächlichen Gesellschaft zu fügen. Doch Jahre später holt ihre Vergangenheit sie ein: Instetten erfährt von der lange beendeten Affäre und kann aus fanatischem Ehrgefühl nicht vergeben. Er fordert Crampas zum Racheduell heraus – mit dramatischen Folgen für alle Beteiligten.

 

Immer wieder zwingt Richter die Zuschauer damit, sich zu distanzieren, um sich wieder neu einzulassen. Anstrengend, aber intensiv. Eine interessante Inszenierung die Pia Richter da hingelegt hat. Ganz und gar nicht gefällig, dafür symbolträchtig und verstörend schräg. In dieser ganzen dargestellten existentiellen Entfremdung, in dieser dauerhaften Imitation eines Lebens, bleibt für Effi und auch für uns heute, die alles entscheidende Frage: Wie wollen wir leben?

Augsburger Allgemeine, 2. Juni 2017
Hier die ganze Kritik:

 

Pia Richter besetzt die weibliche Rolle der Mutter mit einem Mann (Jens Schnarre), das unterstreicht über das Stück hinaus den patriarchalen Gesellschaftsaspekt, dem Frauen oft noch unterliegen. Die Interpretation dieser Erstaufführung geht leichtfüßig ins Heute mit verdichteter Präsenz die begeistert und polarisiert. Die Premierengäste fanden die moderne Effi Briest sehr gelungen.

Memminger Kurier, 22. Oktober 2016

Das Publikum ist fast ausverkauften Studio belohnte das äußerst souveräne Spiel der Darsteller mit anhaltendem Applaus.

Die Lokale, 16.10.2016