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Eine Produktion der Ruhrtriennale in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr

von und mit Liliane Koch / Pia Richter / Thea Rinderli

The future is female

Wir sind befangen in patriarchalen Herrschaftsverhältnissen. Frauen stoßen an die gläserne Decke, unterbezahlt und überarbeitet, verniedlicht und belästigt und dafür werden sie auch noch selbst verantwortlich gemacht. Aber die Zukunft könnte alles sein. Guess who wants to grab it…

Herzlich willkommen zur All-Female-Show ROAR! Sie beschwört den ‚comic turn‘ herauf! Komik ist eine Form des geistigen Widerstands. Komik ist radikal und anarchistisch. Komik ist ein Angriff. Die Lust am Komischen ist die Lust am Widerspruch. Das Gelächter der Vernunft angesichts der Verkehrtheiten der Welt, drückt sich in Komik aus. Noch sind die verschiedenen Genres des Komischen in männlicher Hand – weibliche Komikerinnen besitzen Ausnahmestatus und sind auf begrenzte Spielarten des Komischen festgelegt, etwa indem das Gelächter stark auf die eigene Person eingeschränkt wird, wohingegen man bei männlichen Comedians ein lustvolles Austeilen in alle Richtungen beobachtet und sie sich dem politischen Weltgeschehen widmen. Offenbar bestehen genderabhängig verschiedene Zugänge zu Komik, und zwar nicht als Variationen eines ‚männlichen‘ oder ‚weiblichen‘ Humors, sondern im Sinne von Teilhabe.

Fun & Feminismus oder warum Komik eine politische Angelegenheit ist

Das Genre des Komischen ist nicht nur die Bastion, die es zu erobern gilt, es ist gleichzeitig die einnehmendste Waffe. Besteht doch die Wirkungsintention von Komik darin, verborgene Wahrheit zu entlarven, Tabus zu brechen und bekannte Muster aufzudecken. Hinter dem Lachen steckt immer ein heimliches Einverständnis mit den anderen wirklichen oder imaginären Lachern. In dieser Verbindung liegt das politische Moment von Komik, weil man sich im gemeinsamen Lachen der Werte als Gemeinschaft versichert.

„What would it look like for humor to serve as a practrice of feminist resistance? […]We can theorize humor as war machine.[…] It can operate like a Trojan horse. It can manifest in forms that are reconizable, but then subvert and shift [them] in an entirelydifferent direction.“

Amy Billingsley: Laughing against Patriatrchy: Humor, Silence and Feminist Resistance

 

In ROAR bringen Koch/Richter/Rinderli das komische Potential von Frauen zum Ausdruck und ihre Rollenzuschreibungen ins Wanken. Dabei interessiert sie eine szenische Erforschung der Frage, wie eine performative Erzeugung von Komik funktionieren kann.

Über eine performative Praxis des Komischen

Die Komiktheorie von Sigmund Freud deutet den komischen Effekt als Abweichung von einem ökonomischen Prinzip:

„Die Lust des Witzes schien aus erspartem Hemmungsaufwand hervorzugehen, die der Komik aus erspartem Vorstellungsaufwand und die des Humors aus erspartem Gefühlsaufwand. In allen drei Arbeitsweisen unseres seelischen Apparats stammt die Lust von einer Ersparung.“

Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten

 

Wendet man diese Überlegung auf die Frage an, wie eine performative Erzeugung von Komik aussehen könnte, lässt sich Freuds „Ersparnis“ auf den Verkörperungsaufwand übertragen. Die Erprobung performativer Aufwandsdifferenz in der Verkörperung auf der Bühne begleitet die Suche der Perfomerinnen nach einer Praxis des Komischen ebenso wie die Fragen Gibt es so etwas wie ‚weibliche Komik‘? Wann wird sie politisch? Und wie lange müssen wir lachen, damit wir anstecken?

 

Kritik:

Humorlose Frauen – das alte Vorurteil. Eines der vielen, die das Frauentrio in „Roar“ („Gebrüll“)aufgreift. Doch nach 60 rasanten Minuten stellt sich die alte Chauvi-Frage nicht einmal mehr. (…) „Die haben eine größere Bühne verdient“, waren sich zwei Zuschauerinnen einig.

WAZ, 25.09.2017

„Das Lachen als Waffe gegen das Patriarchat“